Sie haben eine Beziehung? Wie Liebe und Kommunikation sich lieben - Joachim Hartmann Coach & Trainer
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Sie haben eine Beziehung? Wie Liebe und Kommunikation sich lieben

Sie haben eine Beziehung? Wie Liebe und Kommunikation sich lieben

Es ist bunt.
Und ja, wer redet im Beruf schon über Liebe?
Vielleicht die unter uns, die ihren Beruf und das was sie täglich während ihres Job tun, lieben.
Ganz und gar werden Sie hier nichts lesen darüber, weshalb wir Menschen, egal welches Geschlecht wir unser eigen nennen, uns wechselseitig nachlaufen, wenn wir es Liebe nennen, die wir mit dem anderen finden wollen. Nichts steht hier über das Biochemische.

Jedoch, wenn Sie der Meinung sind, dass Liebe, wenn wir sie dann gefunden haben, etwas damit zu tun hat, wie wir miteinander umgehen, wie wir miteinander reden, wie wir streiten, wie wir Missverständnisse klären, wie wir Konflikte austragen oder Wiedersprüche lösen, dann sind Sie heute hier richtig, in diesem Blogbeitrag.

Vorsicht – wenn Sie beim Lesen eine Erwartung mit sich tragen. Sie kann enttäuscht werden.

 

1. Die enttäuschte Erwartung

Ich definiere Erwartung gern als eine Einstellung, die sich auf mehr oder weniger klare Zielvorstellungen bezieht. Das kann z. B. die Einstellung meiner Frau sein, dass sie abends, beim Heimkommen, erwartet, den Mülleimer ausgewaschen vorzufinden oder frische Blumen auf dem Tisch stehen zu sehen. Ich könnte umgekehrt erwarten, dass sie mit einem Lächeln quittiert, wenn ich maulfaul auf dem Sofa dahinsinke.
Gehen Sie bitte davon aus, dass alle hier heute stehenden Beispiele ausschließlich dem dienen, Sie, dem Lesenden, mit durch Beispiel untersetzte Abstraktheiten lebend erscheinen zu lassen.
Eine andere Definition von Erwartung beschreibt diese als eine Annahme darüber, wie eine andere Person handeln wird oder was sie beabsichtigt tun zu wollen.
Erwartungen werden aus Selektionen (Auslese) oder Umdeutungen beim Wahrnehmen erschlossen. Besser wäre: Wir Menschen reden darüber, was wir wechselseitig voneinander erwarten. Ja, man macht es bei der ersten Begegnung und vielleicht bei der letzten, wenn fast alles zu spät ist. Ich tue es, nicht immer und ständig, doch sehr oft, seit der ersten Begegnung … (Das ist nicht erfunden.)
Umdeuten beim Wahrnehmen. Es wird kompliziert, bitte aufpassen. Tja, was nehmen wir war? Das freudige Lächeln, wenn wir unter Stress stehen oder das schiefe Lächeln? Nehmen wir die Nuance des Tons war, die auf eine versteckte Freude hindeutet? Nehmen wir das Wort wahr, wie „ständig“? Setzen wir aus unvollständigen Bildern das Pferd zusammen oder den Esel? Den Humoristen oder den Meckerkopf? Nehmen wir wahr, was wir immer schon sehen wollen oder auch gewohnt sind, zu sehen? Hören wir immer den schiefen Ton? Oder hören wir hinter dem Schiefen die Freude auf – was auch immer?

Es wird noch besser!
Erwartungen können enttäuscht werden. Eine nichterfüllte Erwartung wirkt enttäuschend. Kann zumindest so wirken. Normal wäre, dass wir unsere Erwartung korrigieren. Zumal dann, wenn wir am Morgen nicht darüber sprachen, dass der Mülleimer mit Desinfektionsmittel klinisch rein zu sein hat oder meine Maulfaulheit mit einem Lächeln zu quittieren sei. Doch wer ist – superschnell – in der Lage, seine Enttäuschung mit sich selbst zu klären? Sie „gerade“ zu bekommen? Und welchen Ausdruck auf meinem Gesicht sieht der andere Liebende just in diesem Augenblick? Einen grimmigen Gesichtsausdruck? Der streng genommen nur für die intensive Anstrengung steht, die Enttäuschung aufzulösen.
Oder was nimmt die Partnerin wahr? Wie wird sie das Wahrgenommene deuten?
Viel Spaß beim Probieren. Denn eine Fehlinterpretation über die Ursache des grimmigen Gesichtsausdrucks kann zu weiteren eigenartigen und unpassenden Verhaltens-Aktionen des Partners führen. Willkommen – leicht ironisch – im Zauberland des eigenartigen Verhaltens von erwachsenden Menschen in Beziehungen.

 

Fazit: Enttäuschte Erwartungen

  1. Die Enttäuschung liegt auf der Seite dessen, der eine Erwartung hatte, die nicht wie erwartet erfüllt wurde. Das muss Ihnen nicht unbedingt gefallen.
  2. Bitte – übernehmen Sie Verantwortung für ihre unausgesprochene Erwartung, wenn sie enttäuscht wurde. Lösen Sie sie auf.
  3. Reden Sie über Ihre wechselseitigen Erwartungen immer wieder, besonders dann, wenn Missverständnisse sich häufen.
  4. Erwartungen ändern sich, sie wachsen mit – also einmal darüber geredet, hält nicht ein Leben lang. Reden Sie immer wieder darüber. Gut geht das am Dienstagmorgen. Kleiner Spaß.
  5. Keine Erwartungen zu haben, nur, weil Sie eventuell Angst vor der Enttäuschung haben, ist auch keine gute Idee.
    Erwartungen fokussieren auf Ziele. Ziele brauchen unser Denken und Handeln, sie geben der „Laufrichtung“ die Orientierung – „wo geht es hin?“.
    Erwartungen helfen ganz sicher auch dem, Beziehungen und sich selbst zu entwickeln.

 

2. „Was ich Dir immer schon sagen wollte“ – wie Sie Kritik verträglich vorbringen

Samstagmorgen, 9 Uhr. Die bäckerfrischen Brötchen liegen neben den 6-Minuten-Eiern.
Die Sonne scheint, es ist Sommer, Badewetter, Schlendern über den Wochenmarkt steht an – alles Bestens.
Doch dann, plötzlich knallt es wie ein Peitschenhieb heraus: „Schaaatz, was ich dir schon immer mal sagen wollte, ständig nörgelst du an mir herum.“ Aus, Ende, vorbei schönes Wochenende.
Die Stimmung kippt, sie geht kalt baden.
Schlechte Laune macht sich breit (nicht über Erwartungen gesprochen).
Randbemerkung: Stimmungen haben keinen konkreten, genau nur einen zu identifizierenden Auslöser (Reiz), die Auslöser sind eher unspezifischer Natur.

Was ist passiert?
Die Liebste fühlt sich gekränkt (eine Kränkung kann als Verletzung der Gefühle verstanden werden.)
Die Beziehung wird angegriffen. Der Gerechtigkeitssinn kann leiden. Die Situation wird nicht verstanden: „Was ist hier los?“.
Alarm! Sie schlittern mit diesem Satz rasend schnell in einen Beziehungskonflikt.
Sehr schnell. Wir Kommunikationsleute sprechen in diesem Fall von einem Kritik-Konflikt. Den zu klären, da wieder herauszukommen, verlangt ein hohes Maß an Fähigkeiten mindestens in den Bereichen: emotionaler Stabilität, Selbstkontrolle, Selbstreflektion, Empathie und schlicht: Gesprächs-Kultur.

Das ist zu tun: Kritik richtig angewandt

  1. Atmen Sie durch.
    Besonders dann, wenn Ihre Herzdame oder Ihr Herzmann gut geschult worden ist in einem Firmenseminar. Es kann sein, dass sie oder er Ihnen sofort spiegelnd zeigt, was Sie angerichtet haben.Randbemerkung: Spiegeln. Unter Spiegeln verstehen wir Kommunikation-Profis eine Basis-Gesprächstechnik, in der wortwörtlich, sinngemäß, paraphrasierend oder emotional verbalisierend einem Gesprächspartner sprachlich feingetunt „vor Augen gehalten wird“, wie das Gesagte ankam, besser – verstanden wurde. Das räumt sofort auf: Missverständnisse werden geklärt, der Inhalt des Gesagten wird verständlicher, die Botschaften werden eindeutig. So ausgedrückt, trägt das Spiegeln unsere Bereitschaft, dem anderen das Gefühl zu geben, dass wir bereit sind, ihn zu verstehen. Das darf verkürzt auch Empathie genannt werden.
  2. Klassisch: Bitten Sie einfach um Entschuldigung. Mehr ist dazu nicht zu sagen.
  3. Korrigieren Sie Ihre Aussage: Was meinten Sie wirklich! Werden Sie konkret. Schildern Sie, was genau Sie ansprechen wollten.
  4. Achten Sie auf die Zeit: Wann trat das auf, was Sie ansprechen wollten? Gestern? Vor einem Jahr? Heute Nacht?
  5. Benennen Sie das konkrete Verhalten, was Sie zu kritisieren ursprünglich anstrebten. Z. B: Schaaatz, wir sprachen gestern darüber, dass ich heute Morgen den Tisch für uns decken wollte und nun sehe ich, dass Du das getan hast.“
  6. Vielleicht ist es auch gut, den eigenen Impuls zu unterdrücken (Impulskontrolle herstellen), sofort mit einer Bemerkung das Frühstücken zu verderben. Manchmal hilft es, eine Nacht „drüber zu schlafen“ und damit den eigenen Ärger verstreichen zu lassen.
  7. Hören Sie nun gut zu, was Ihr Schaaatz selbst zu sagen hat. Gern dürfen Sie das mit dem schönen, einfachen Satz einleiten: „Hey Du, was war los?“. Geben Sie dem anderen Gelegenheit, sich zu äußern. Seine Sichtweise darzustellen. Es kann ja z. B. gut möglich sein, dass sie/er einfach auch Ihnen eine Freude machen wollte oder dass Sie sich beide nicht genau abstimmten oder dass die Erwartungen unklar waren.
  8. Kann sein, dass Sie sich nun in den Armen liegen. Alles ist geklärt.
  9. Wenn Ihnen das nicht ausreicht, gönnen Sie sich ein weiteres leckeres Brötchen, die nächste Tasse Kaffee, den nächsten Becher Tee und finden gemeinsam eine Lösung, wie Sie das zukünftig machen wollen, mit dem Tisch decken.
  10. Reicht Ihnen das immer noch nicht?
  11. Vereinbaren Sie eine Konsequenz für den Fall, dass es nächsten Samstag wieder so „falsch“ läuft. Das schult das Denken an die neue Lösung und macht es leichter, den erneuten möglichen „Zwischenfall“ ruck zuck aufzulösen.

Und für alle unter den Lesenden, die meinen „Geht’s noch, Herr Hartmann!“:
Ja es geht. Nicht immer, doch immer öfter. Und es macht das Zusammenleben entspannter, kultivierter, schöner bunter.
Ja, auch ich mache sicherlich nicht immer alles perfekt zu Hause und anderswo, doch es hilft, sich zu korrigieren, wenn man sieht, dass bei seiner Herzallerliebsten die Jalousien fallen.

Und zum Schluss. Immer noch nicht genug?

  1. Tragen Sie das Ganze, wenn möglich, im Stil des Modells der „Ich-Botschaften“ vor.
    Schön locker bleiben dabei.
  2. Denken Sie daran, dass wir alle unsere Persönlichkeit (umgangssprachlich: Charakter) mit uns herumtragen. Das kann zu einigen Besonderheiten der Art und Weise, wie wir uns mitteilen, führen.
    Ich vermute, es ist sehr viel wahrscheinlicher, dass unterschiedliche Persönlichkeitsanteile aufeinandertreffen, die das miteinander reden in einer Beziehung, in einer Liebesbeziehung einfacher oder besonders machen.
    Als Idee, was ich meine darf jetzt herhalten: Das „Vier Seiten Modell einer
    Nachricht“ von Friedemann Schulz von Thun und das Modell von Herrn Roland R. Lange in „Corporate Alchemy. Optimierte Kreativität in der Arbeitswelt“.
  3. Ja, ja, ja: Was ich beschrieb am Beispiel der Liebe meint auf jeden Fall auch die Arbeitswelt. Es lohnt sich, beim Kritisieren richtig vorzugehen, egal, wer vor einem steht.
  4. Denken Sie auch daran: nur, weil man es noch nicht so kann oder nicht ständig so schafft, bedeute das nicht, es komplett nicht zu versuchen.

Viel Freude beim Probieren.