Gespräche zwischen Frau und Mann - Zwischen XX und XY - Joachim Hartmann Coach & Trainer
705
post-template-default,single,single-post,postid-705,single-format-standard,ajax_fade,page_not_loaded,,qode_grid_1300,footer_responsive_adv,qode-content-sidebar-responsive,qode-child-theme-ver-1.0.0,qode-theme-ver-13.0,qode-theme-bridge,wpb-js-composer js-comp-ver-5.4.4,vc_responsive
 

Gespräche zwischen Frau und Mann – Zwischen XX und XY

Gespräche zwischen Frau und Mann – Zwischen XX und XY

Um ein Klischee zu bedienen Ein Beispiel für die Interaktion zwischen Mann und Frau: Oberarzt Fred Meyer sitzt in einer Firmenpräsentation. Die Referentin sieht ausgesprochen gut aus. Der Wohlklang ihrer Stimme lässt Fred aufhorchen. Ihre Klugheit ist berauschend, ihr Business Outfit sitzt. Die Medizintechnik ihrer Firma gehört zu den hochpreisigen. Fred bestellt – und hört schon die Kritik: „Chef, was hat Sie bewogen?“ Frauen begegnen Männern im Beruf, Männer Frauen. Sie kommunizieren. Der Ton macht die Musik, die Stimme trägt den Unterton, der Subtext formt die Botschaft. Ja sicher, es gibt Modelle, die Kommunikation erklären, auch die zwischen Frauen und Männern. Helfen da Klischees, stimmen sie?

Doch lieber anders? Ich persönlich mag Klischees nur am Stammtisch, und selbst da beschleicht mich ein Unwohlsein. Zwei der gängigen – Frauen sind emotionaler als Männer und können besser zuhören – widerlege ich sofort: Ich nenne Ihnen 49 Damen und 48 Herren, bei denen das genau anders herum ist. Vielleicht hilft es ja, Frauen und Männer als bio-psycho-soziale Wesen anzunehmen, und genau das als 3 Ebenen der Kommunikation zu begreifen?

Die biologische Ebene Es gibt uns nun mal biologisch verschieden, als Frau oder als Mann. Für die einen ein Hochgenuss, für die anderen ständiger Frust: Du hast etwas, das ich haben will – und wenn es einfach die andere Anatomie ist. Kann genau das die Kommunikation verändern? Ich meine: Ja, in jegliche Richtung – nicht immer in Worten, oft in Gesten, manchmal in dem, was zwischen den Zeilen liegt.

Die psychologische Ebene Für die folgenden Sätze versetzen Sie sich bitte in die Rolle eines männlichen Assistenzarztes. Stellen Sie sich vor, Sie rufen die nächste Patientin auf, Frau Lehmann: „Bitte Sprechzimmer 4!“ Sie kommt herein, und schwupp befinden Sie sich in einer Art Refraktärphase, können keine weiteren Informationen verarbeiten. Und alles nur, weil Frau Lehmann Sie an die Lehrerin erinnert, in die Sie als Jüngling verliebt waren. Haben Sie Glück, ist das nach 2s vorbei. Wie wird wohl das Arzt-Patienten-Gespräch verlaufen?

Die soziale Ebene Karl Marx unterschied uns Menschen nach unserem Platz im Prozess der Produktion materieller Güter. Simone de Beauvoir sagte: „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es.“ Männer wurden in 200 Jahren Militär- und Industriedienst dazu erzogen, hart, stark und emotional bescheiden zu sein. Der Mensch ist ein gesellschaftliches, soziales Wesen. Wir definieren uns auch oder hauptsächlich über unseren Platz in der Gesellschaft: Beruf, Tätigkeit, Hierarchieebene. Beeinflusst das nicht auch Ihre Kommunikation mit dem Kollegen, dem Patienten? Ich zumindest rede entspannt mit einer Kollegin, mit der mich ein gemeinsames Vorhaben verbindet. Mit Frau Oberärztin spreche ich anders, wenn meine Bewerbung für eine Stelle bei ihr schon bei der Verwaltung liegt.

Die 4. Ebene: alles zugleich Stellen Sie sich vor: Die Position des Oberarztes erhält Frau Dr. Lehmann, sie wird Ihre Chefin. Eine Frau hat es geschafft, in eine Männerdomäne vorzudringen. Beim ersten Sehen haben Sie ein Déjà-vu: Ihre große Liebe steht vor Ihnen, die Sie wegen eines anderen verlassen hat. Und genau jetzt präsentieren Sie und wollen eine neue Therapieform einführen – mit Widerstand Ihrer neuen Chefin ist zu rechnen. Wie „sauber“ ist Ihre Kommunikation?

3 Ebenen, 4 Schritte Tja, was ist also zu tun?

  1. Erkennen und trennen Sie die 3 Ebenen. Fraktionieren Sie das Gespräch auf jeweils genau eine Ebene. Werden Sie sich darüber bewusst.
  2. Reflektieren Sie, welches Gefühl bei Ihnen angesprochen 
oder ausgelöst wird. Gestehen Siesich dieses Gefühl ein, statt es zu bekämpfen. Und wenn Sie in der Situation  nicht herausfinden, was es ist, halten Sie die Ungewissheit darüber aus und klären Sie es im Nachhinein.
  3. Machen Sie sich deutlich: An welches Ereignis, welche Sache oder an welche Person erinnert mich das? Emotionen sind oft mit Ereignissen, Sachen oder Worten verbunden.
  4. Führen Sie die Ebenen wieder zusammen und gehen Sie sicher auf ihnen spazieren: Als meine Vorgesetzte lasse ich Sie wissen, dass … Als Mann oder als Frau finde ich Sie … Als Mensch finde ich, dass Sie viel erlebt haben, dass Sie so werden ließ, wie Sie mir gegenüber stehen.

Weniger ist mehr Tragen Sie das Herz an der richtigen Stelle, und Sie werden weniger Technik im Gespräch brauchen, als andere es Sie lehren wollen. Vertrauen und eine gute Beziehung zu Ihrem Gegenüber sind eine belastbare Brücke. Vielleicht lebt das Gespräch zwischen Frauen und Männern ja gerade von der natürlichen Spannung zwischen den Geschlechtern?

Quelle: Joachim Hartmann. Kolumne. Zwischen XX und XY. In: Lege artig. 05.2015. Georg Thieme Verlag. Mit freundlicher Erlaubnis des Verlages.30